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Harzbericht über ein sonderbares Spiel

Annegret Pohle 26.11.2013

 

Am Ende ging die HSG Wasserschloss mit 25:26 (8:13) als Gewinner aus der Halle, doch der Sieg musste zuerst hart erkämpft werden – auf und neben dem Spielfeld.

Vor dem Match war es sehr schwierig, unsere Gewinnchancen einzuschätzen. Mit einem Blick auf die Tabelle liessen sich die Gegner, Grün-Weiss Effretikon, als klarer Favorit bezeichnen. Andererseits hatten wir an diesem Tag in der U19 auch eine starke Besetzung. So rechneten wir uns zwar gewisse Gewinnchancen aus, definierten das Hauptziel aber mit „Spass haben und Erfahrungen sammeln“.

Gleich zu Beginn des Spiels änderte sich dieses Ziel aber in allen Köpfen zu „Gewinnen!“ Wahrscheinlich bedingt durch die Tabellenposition, unterschätzten uns die Gegnerinnen anfangs. Dies machte es uns leicht, erst einmal mit ein paar Toren in Führung zu gehen. Die ersten 25 Minuten konnten wir unsere Leistung auch halten und den Vorsprung nach und nach auf sechs bis manchmal sieben Tore ausbauen.

Wir hätten mit einem guten Gefühl in die Pause gehen können, doch es kam anders. Nach 25 Minuten wurde urplötzlich das Spiel angehalten. Wir wurden beschuldigt, den Ball geharzt zu haben, obwohl dies in der Halle verboten war. Es wurde eine Weile sehr hitzig diskutiert zwischen Schiedsrichter, den Trainern und den Zeitnehmern. Weil dies zu nichts führte, wurde unsere Mannschaft zum Händewaschen aufs WC geschickt. Dies taten wir dann auch, wollten wir das Spiel doch nicht noch unnötig verzögern. Wir gingen also, und wuschen mit Wasser das nicht vorhandene Harz von unseren Händen.

Kaum hatte die zweite Halbzeit angefangen, nahm auch schon die nächste sehr emotional ausgetragene Debatte ihren Lauf. Grund dafür war eine Zeitstrafe auf unserer Seite, aus der ersten Halbzeit, die wir vergessen hatten. Deshalb waren wir zwanzig Sekunden lang mit einer Spielerin zu viel auf dem Feld.

Eine Zeit lang konnten wir den Vorsprung noch halten, doch nach etwa zehn Minuten gab es einen Einbruch, und das Spiel entwickelte sich doch noch zu einer überaus schwierigen Angelegenheit. Wir wurden zum Teil nervös und unkonzentriert. Im Angriff nutzten wir unsere Chancen nicht und in der Verteidigung konnten wir den 1:1 – Manövern der Gegnerinnen nichts entgegenhalten. Beinahe die ganze zweite Hälfte lang führte fast in jedem ihrer Angriffe eine solche Aktion entweder direkt zum Tor oder zum Penalty, häufig sogar plus Zweiminuten. Und so war unser schöner Vorsprung innert kürzester Zeit dahin.

Die Umstellung unserer Verteidigung von 3-2-1 auf 6-0 half ein wenig, doch die letzten zehn Minuten des Spiels blieben sehr ausgeglichen. Überholt wurden wir nie, doch stets drohte der Ausgleich. Nun mussten wir kämpfen. Beide Bänke feuerten ihre Mannschaften kräftig an und auch das Publikum liess von sich hören. Es wurde immer spannender. Doch am Schluss hatten wir genug Nerven, um den Sieg zu holen. Und weil wir dann so fröhlich waren, putzten wir auch gerne noch den Hallenboden, auf dem es mysteriöserweise tatsächlich Harzflecken hatte. Dieses Spiel werden wir wohl so schnell nicht vergessen.

Grün-Weiss Effretikon – HSG Wasserschloss 1  25:26 (8:13)

Es spielten:

Mützenberg Silja (1-20‘), Brändle Corinne (21-60‘); Bopp Lena (5 Tore), Crippa Giuliana, Erne Sandra (1), Gerber Nadine (2), Gribi Katja (3), Jeggli Corinne, Pohle Annegret (7/1), Vogelsanger Sarah (5), Wegmüller Chantal (4).